Aminosäurenmangel erkennen

Wir wollen nur das Beste für unser Pferd. Es liegt an uns, seine Bedürfnisse zu verstehen und darauf einzugehen. Wir glauben, dass wir als Pferdemenschen mit der Zeit ein geübtes Auge für die Bedürfnisse unserer Pferde entwickeln. Dieses Auge muss jedoch regelmäßig geschult werden.

In diesem Beitrag wollen wir das Auge für einen Aminosäuremangel schärfen und schauen, ob unser Pferd ausreichend mit Aminosäuren versorgt ist.


Die Bedeutung der Aminosäuren für Pferde

Aminosäuren spielen eine entscheidende Rolle für die Gesundheit und das Wohlbefinden unseres Pferdes.

Als Bausteine der Proteine sind sie für viele lebenswichtige Funktionen im Körper des Pferdes unentbehrlich. Sie unterstützen das Muskelwachstum, die Gewebereparatur, das Immunsystem und die allgemeine Gesundheit des Tieres. 

Insgesamt sind 21 Aminosäuren für die Gesundheit des Pferdes von entscheidender Bedeutung. Von diesen 21 Aminosäuren müssen 9 über die Nahrung zugeführt werden und können nicht im Körper gebildet werden. Man spricht daher von den sogenannten essenziellen Aminosäuren. Die wichtigsten erstlimitierenden Aminosäuren beim Pferd sind L-Lysin, L-Threonin und L-Methionin, dazu in den anderen Blogbeiträgen mehr.

Wenn eine der essenziellen Aminosäuren fehlt, stockt der komplette Mechanismus. Wir können uns das wie ein Fass mit verschieden langen Holzplanken vorstellen, die kürzeste Holzplanke ist der limitierende Faktor für den Füllstand, genauso ist es mit den Aminosäuren. Steht nur eine dieser essenziellen Aminosäuren, die die Planken symbolisieren, in nicht ausreichender Menge zur Verfügung, wird der gesamte Aufbau von Eiweißen im Körper beeinträchtigt.

 

Symptome eines Aminosäurenmangels

Die Symptome eines Aminosäurenmangels können vielfältig sein und äußern sich zum Beispiel in schlechtem Fell, schwachem Hufwachstum, Muskelschwund, verminderter Leistungsfähigkeit und einem geschwächten Immunsystem. 

Die frühzeitige Erkennung dieser Anzeichen ist entscheidend, um ernsthafte gesundheitliche Probleme zu vermeiden. 


 

Ursachen von Aminosäurenmangel

Die Ursachen für einen Aminosäuremangel können vielfältig sein. Sie liegen zum Beispiel in einer unausgewogenen Ernährung, chronischen Erkrankungen, Stress sowie einem erhöhten Bedarf während des Wachstums oder der Rekonvaleszenz.

Eine besondere Rolle spielt dabei das Grundnahrungsmittel Heu. Gerade in den letzten, trockenen Jahren hatten wir oft ein Heu mit hohem Zuckergehalt und wenig Protein. Hier hilft uns zum Beispiel eine Heuanalyse, um diesen Wert zu ermitteln. Ein Mangel an Protein ist nach der Literatur ab einer Unterschreitung von 30% des Bedarfs zu erwarten.


Wie viel Aminosäuren braucht mein Pferd?

Aminosaeurebedarf Pferde Erhaltungszustand Tabelle

 

Die Tabelle gibt einen Richtwert, wie viel Aminosäuren unser Pferd im Erhaltungszustand benötigt. In der Wachstumsphase, bei starker körperlicher Belastung und in der Rekonvaleszenz steigt zum Beispiel der Bedarf an Lysin im Vergleich zu den anderen Aminosäuren stark an. Um eine Größenordnung zu geben: Eine laktierende Stute benötigt die vierfache Menge an Lysin pro Tag (500 kg/54 g Lysin am Tag) im Vergleich zu einem Pferd im Erhaltungszustand.

Eine ausgewogene Fütterung ist der Schlüssel zur Vorbeugung und Behandlung von Aminosäurenmangel. Können Aminosäuren nicht in ausreichender Menge über die Nahrung zugeführt werden, spielen Ergänzungsfuttermittel eine entscheidende Rolle bei der Deckung des Bedarfs an essenziellen Aminosäuren.

Eine gute Quelle für Aminosäuren ist zum Beispiel frisches, junges Weidegras, das durch Auskauen im Maul auch gut aufgenommen wird. Steht diese Quelle nicht ausreichend zur Verfügung, muss auf andere Proteinquellen zugegriffen werden. Getreide hat im Vergleich zu Gras zum Beispiel ein ungünstiges Aminosäurenprofil. 

Hochwertige Produkte, die speziell für die Ernährungsbedürfnisse von Pferden entwickelt wurden, können nicht nur helfen, Mangelerscheinungen vorzubeugen, sondern auch aktiv zur Verbesserung der allgemeinen Gesundheit und Leistungsfähigkeit unseres Pferdes beitragen.

Aminosäurenmangel bei Pferden sollte nicht unterschätzt werden. Durch eine ausgewogene Fütterung und gezielte Supplementierung können wir sicherstellen, dass unser Partner Pferd die notwendigen Aminosäuren erhält, um gesund und leistungsfähig zu bleiben.

Bei Fragen schreibt uns gerne an info@aminohorse.de 

Quellen:

Pferdefütterung; 6.Auflage, Coenen, Vervuert; 2020
Equine applied clinical Nutrition, Goer Harris, Coenen, 2016